Die Neugestaltung der Straßen in der historischen Altstadt von Felsberg zeigt, welche enorme Aufwertung hierdurch entstanden ist. Die Untergasse als wichtigste Verkehrs- und Erschließungsstraße ist bisher noch nichts passiert, obwohl einerseits mit der Umgehungstraße die Voraussetzungen hierfür getroffen wurden und andererseits finanzielle Mittel seitens des Landes zur Verfügung gestellt wurden.
Vorstellebar ist die Neugestaltung der Durchgangsstraße von einer überwiegend verkehrsorientierten Fahrbahn zu einem gemeinsam genutzten, barrierearmen und ortsbildgerechten öffentlichen Raum umgestaltet werden. Ziel ist es, die Straße nicht länger als Trennlinie im Ort wahrzunehmen, sondern als verbindenden Aufenthalts-, Begegnungs- und Bewegungsraum für alle Menschen im Quartier.

Ausgangslage und Handlungsbedarf
Historische Ortskerne sind häufig durch enge Straßenräume, gewachsene Gebäudestrukturen, geringe Gehwegbreiten und eine hohe Bedeutung des unmittelbaren Wohnumfeldes geprägt. Eine Durchgangsstraße erzeugt oftmals Lärm, Unsicherheit, Barrierewirkungen und eine geringe Aufenthaltsqualität.
Gerade ältere Anwohnerinnen und Anwohner erleben den Straßenraum dann eher als Belastung denn als Teil ihres Wohnumfeldes.
Mit der Umgestaltung wird der Verkehrsraum neu geordnet: Die Dominanz der Fahrbahn wird zurückgenommen, Bordsteine und harte Kanten entfallen, Materialien und Oberflächen werden einheitlich gestaltet und die zulässige Geschwindigkeit wird durch die räumliche Gestaltung deutlich reduziert. Der Die Straßenraum soll selbsterklärend wirken und gegenseitige Rücksichtnahme fördern.
Gestaltungsprinzip des Shared Space
Shared Space bedeutet, dass die Verkehrsfläche nicht mehr strikt in Fahrbahn und Gehweg getrennt ist, sondern von Fußgängerinnen und Fußgängern, Radfahrenden, Anliegerverkehr, Bussen sowie notwendigen Dienst- und Einsatzfahrzeugen gemeinsam genutzt wird. Durch eine hochwertige, einheitliche Pflasterung, klare Raumkanten, Möblierung, Beleuchtung, Begrünung und taktil erkennbare Komfortzonen entsteht ein Straßenraum, der langsam, aufmerksam und rücksichtsvoll befahren wird.
Besonders wichtig ist die barrierearme Ausgestaltung: Bewegungsflächen müssen gut begeh- und berollbar, rutschhemmend, ausreichend breit und frei von Hindernissen sein. Für Menschen mit Rollator, Rollstuhl oder Sehbeeinträchtigung werden sichere Orientierungsmöglichkeiten und durchgehende Komfortbereiche vorgesehen, damit die gemeinsame Nutzung des Raumes nicht zu Unsicherheit führt.
Wohnwertsteigerung für die Anwohnerinnen und Anwohner
Für die überwiegend älteren Bewohnerinnen und Bewohner bedeutet die Umgestaltung eine spürbare Verbesserung des Alltags. Der Straßenraum wird leiser, übersichtlicher und besser nutzbar. Wege zum Nachbarn, zur Bushaltestelle, zum Briefkasten oder zu kleinen Versorgungseinrichtungen werden kürzer wahrgenommen, weil keine hohe Bordkante, keine schmale Gehwegführung und kein dominanter Durchgangsverkehr mehr überwunden werden müssen.
Der neue Shared Space stärkt die soziale Teilhabe: Sitzgelegenheiten, ruhige Randbereiche, Begrünung und eine angenehme Beleuchtung laden zum Verweilen ein. Ältere Menschen können sich vor der Haustür aufhalten, Bekannte treffen und am Ortsleben teilnehmen, ohne sich aus dem Straßenraum zurückgezogen fühlen zu müssen. Dadurch wird die Straße wieder Teil des Wohnumfeldes und nicht nur Verkehrsfläche.
Auch das historische Ortsbild gewinnt: Eine durchgehende, ortstypische Pflasterung, reduzierte Beschilderung und sorgfältig platzierte Ausstattungselemente lassen Gebäude, Fassaden und Plätze stärker zur Geltung kommen. Die Maßnahme unterstützt damit nicht nur die Verkehrssicherheit, sondern auch die Identität des Ortes und die Wertigkeit der angrenzenden Wohnlagen.
Verhalten von Bussen, Rettungsfahrzeugen und Entsorgungsfahrzeugen
Busse bleiben im Shared Space grundsätzlich zugelassen, bewegen sich jedoch mit deutlich reduzierter Geschwindigkeit und erhöhter Aufmerksamkeit. Die Linienführung wird so gestaltet, dass Begegnungen mit anderen Fahrzeugen möglich bleiben und Haltepunkte barrierefrei erreichbar sind. Der Busverkehr erhält keine dominierende Fahrbahn, sondern ordnet sich in den gemeinsam genutzten Raum ein. Fahrgäste profitieren von kurzen, niveaugleichen Wegen und gut zugänglichen Haltestellen.
Rettungsfahrzeuge müssen den Bereich jederzeit sicher und zügig erreichen können. Deshalb werden ausreichende Durchfahrtsbreiten, tragfähige Oberflächen, freigehaltene Bewegungsräume und klar erkennbare Zufahrten eingeplant. Im Einsatzfall haben Rettungsfahrzeuge weiterhin Vorrang; die Gestaltung des Shared Space darf ihre Erreichbarkeit nicht einschränken. Möblierung, Pflanzkübel oder Sitzgelegenheiten werden so angeordnet, dass sie Orientierung bieten, aber keine Einsatzwege blockieren.
Entsorgungsfahrzeuge nutzen den Shared Space zu festgelegten Zeiten und mit angepasster Geschwindigkeit. Für Müllabfuhr, Straßenreinigung und Winterdienst werden die notwendigen Schleppkurven, Aufstellflächen und Belastbarkeiten der Pflasterflächen berücksichtigt. Sammelstellen und Abholpunkte werden so organisiert, dass sie für ältere Anwohnerinnen und Anwohner gut erreichbar sind und gleichzeitig den Verkehrsraum nicht dauerhaft verstellen.
Projektwirkung
Die Umgestaltung der ehemaligen Durchgangsstraße schafft einen öffentlichen Raum, der Verkehr weiterhin ermöglicht, aber dem Wohnen, Gehen, Begegnen und Verweilen deutlich mehr Gewicht gibt. Sie verbindet Verkehrssicherheit, Barrierearmut, Ortsbildpflege und soziale Teilhabe. Besonders für ältere Menschen entsteht ein wohnungsnaher Freiraum, der Selbstständigkeit unterstützt, Alltagswege erleichtert und die Lebensqualität im historischen Ortskern nachhaltig erhöht.









